Polarlicht - Polarlichter - Nordlichter - Aurora Borealis - Polarlichter in Mitteleuropa - 26.09.2011 - 27.09.2011

Polarlichter - Aurora Borealis

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POLARLICHTER AM 26. UND AM 27./28.09.2011

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Das Geschehen auf der Sonne

Der September 2011 war ein Monat hoher Sonnenaktivität. Zunächst sorgte zwischen dem 06. und 10.09.2011 die Fleckengruppe NOAA 11283 mit mehreren Röntgenflares der Kategorie M und zweien der Kategorie X für Aufsehen. Dann erschien am 21.09.2011 die riesige und magnetisch hoch aktive Fleckengruppe 11302 am Ostrand der Sonne. Ab dem 23.09.2011 konnte man bereits mit einem Fernglas (und entsprechendem Schutzfilter) die eindrucksvolle Fleckengruppe, welche sich über mehr als 100000 km erstreckte, problemlos beobachten.

Die Sonne am 02.08.2011 um 17:56 MESZ
Die Sonne am 28.09.2011 um 17:54 MESZ mit (von links) den Fleckengruppen 11306, 11305 & 11302.
Aufgenommen in Bonn mit einer Panasonic DMC-FZ18, Blende 8, 1/1300s, ISO 100, Brennweite 504mm, Bild bearbeitet.

Noch bevor sie offizielle nummeriert war, machte NOAA 11302 am 21.09.2011 mit einem M-Class-Flare auf sich aufmerksam. Am 22.09.2011 produzierte sie einen Flare der Kategorie X 1.4, dem am 24.09.2011 einer der Kategorie X 1.9 folgte. Letzterer war von einem koronalen Massenauswurf (CME) begleitet, welcher jedoch auf Grund der noch randlichen Lage der Gruppe 11302 die Erde allenfalls streifend treffen würde. Dies war der Auftakt einer im Zyklus 24 bislang nicht gesehenen Serie von Flares im M-Bereich, die bis zum 26.09.2011 anhielt. Beteiligt waren daran noch 2 weitere Fleckengruppen, nämlich 11295 und 11303. Einen zumindest teilweise erdgerichteten CME von nennenswerter Stärke brachte jedoch nur ein lang anhaltender M 7.1-Flare hervor, welcher am 24.09.2011 kurz nach dem X 1.9-Flare in der Gruppe 11302 stattfand. Die zahlreichen anderen M-Class-Flares waren dagegen eher kurz und impulsiv.

Nach 8 M-Class-Flares am 24.09.2011 und 6 am 25.09.2011 folgten noch 2 am 26.09.2011 und 1 am 28.09.2011, bevor die Aktivität in der Gruppe 11302 deutlich nachließ. Sie produzierte am 02.10.2011 noch einen Flare der Stärke M 1.3, bevor sie sich nahe des Westrandes der Sonne um den 04.10.11 auflöste. Zwischenzeitlich hatte sich eine weitere Fleckengruppe, NOAA 11305, mit 3 Flares der M-Klasse und zahlreichen weiteren der C-Klasse in Szene gesetzt. Dabei wurden mehrere erdgerichtete CMEs produziert, welche am 05. und 06.10.2011 einen geomagnetischen Sturm auslösten. Vor allem auf Grund einer eher nördlichen Ausrichtung des IMFs reichte es aber nicht zu weiteren Polarlichtern in Mitteleuropa. Als 11305 am 08.10.11 hinter dem Westrand der Sonne verschwunden war, endete eine 17tägige Episode hoher Sonnenaktivität und geomagnetischer Stürme.

Verlauf der solaren Röntgenstrahlung vom 22. - 24.09.11
Verlauf der solaren Röntgenstrahlung vom 22. - 24.09.11 mit zahlreichen M-Class-Flares und 2 X-Class-Flares.

NASA-Video des X 1.4-Flares am 22.09.2011
WICHTIGE RÖNTGENFLARES (M- und X-Class) AUF DER SONNE VOM 21.09. - 26.09.2011
DatumUhrzeit (MESZ)EventAktive RegionDokumentationVideosDiskussionAnmerkungen
21.09.1114:04 - 14:45M 1.811302HEKSolarSoftAKM-Forum---
22.09.1112:29 - 13:44X 1.411302HEKSolarSoftAKM-ForumCME, nicht erdgerichtet
24.09.1111:21 - 11:41X 1.911302HEKSolarSoftAKM-ForumCME, wenig erdgerichtet
24.09.1114:33 - 16:10M 7.111302HEKSolarSoftAKM-ForumCME, teilweise erdgerichtet
24.09.1122:29 - 22:42M 5.811302HEKSolarSoftAKM-Forum---
25.09.1106:31 - 07:05M 7.411302HEKSolarSoft------
26.09.1107:06 - 07:13M 4.011302HEKSolarSoft------

Verlauf des geomagnetischen Sturms vom 26. - 29.09.2011

Schon kurz nach dem CME aus dem M 7.1-Flare vom 24.09.211 war klar, dass dieser der Erde am Nachmittag des 26.09.2011 einen "Streifschuss" bringen würde. Bezüglich der Polarlicht-Chancen für Mitteleuropa überwog allerdings die Skepsis; viel mehr als schwache Aurora im Norden Deutschlands erwartete zunächst niemand. Diese Einschätzung musste revidiert werden, nachdem der CME am 26.09.2011 gegen 14:15 MESZ auf das Erdmagnetfeld getroffen war, welches bis in den Bereich der geostationären Satelliten komprimiert wurde. Der Kp-Wert stieg zunächst auf 6, am Abend dann auf 8 hoch. Das Interplanetare Magnetfeld (IMF) wechselte mehrfach die Ausrichtung, war aber insgesamt längere Zeit nach Süden gerichtet. Schon vor Ende der astronomischen Dämmerung waren in Deutschland Polarlichter mit bloßem Auge deutlich sichtbar; in einer zweiten Aktivitätsphase gegen 23:15 Uhr gingen dann auch Sichtungsmeldungen aus den Alpenländern ein. Die Polarlichtaktivität endete gegen Mitternacht. Im Norden Europas waren während der gesamten Nacht helle und z.T. farbenreiche Displays zu sehen. Nachdem es dort Nacht geworden war, wurden u.a. im Norden der USA Polarlichter beobachtet. Auch wenn die Kp-Werte ab dem Morgen des 27.09.2011 auf Werte von 3 bis 4 absanken, war noch eine Menge Energie in der Magnetosphäre der Erde gespeichert. Daher traten in der Nacht vom 27. auf den 28.09.11 im hohen Norden noch einmal Polarlichter auf, welche im Norden Deutschlands immerhin fotografisch nachgewiesen werden konnten. Dies gelang in einer Phase, als das inzwischen überwiegend nach Norden ausgerichtete IMF noch einmal kurz nach Süden gedreht hatte.

Die Unruhe im Magnetfeld der Erde hielt am 28. und 29.09.2011 an; eventuell spielten dabei auch sehr schwache CMEs von den zahlreichen M-Class-Flares am 25. und 26.09.2011 eine Rolle. Am Morgen des 29.09.2011 gab es möglicherweise ein weiteres schwaches visuelles Polarlicht im Norden Deutschlands.

Entwicklung wichtiger geomagnetischer Kenndaten vom 26. - 28.09.11
Entwicklung wichtiger geomagnetischer Kenndaten vom 26. - 28.09.11. Das Eintreffen des CMEs am Nachmittag des 26.09.2011
ist in diesem Zeitraum das markanteste Ereignis.

Das Wetter in Mitteleuropa

Die beiden nachstehenden Fotos zeigen, dass der Süden Deutschlands und der Alpenraum am 26.09.2011 in der ersten Nachthälfte wolkenfrei waren. In der Mitte und im Osten Deutschlands wechselten sich Wolkenfelder und Auflockerungen ab. Dagegen lagen der Nordwesten und die Küstengebiete unter einer Wolkendecke, welche nur von sehr kleinen Aufklarungsbereichen unterbrochen wurde. Auf die Gesamtfläche Mitteleuropas bezogen boten sich vielfach gute Möglichkeiten zur Polarlichtbeobachtung. Ein beträchtlicher Teil der erfahrenen Polarlichtbeobachter wohnt allerdings im Norden Deutschlands und saß dementsprechend unter eine Wolkendecke.
Wolkenverteilung über Mitteleuropa am 26.09.2011 um 20:00 MESZ
Wolkenverteilung über Mitteleuropa am 26.09.2011 um 20:00 MESZ
Wolkenverteilung über Mitteleuropa am 26.09.2011 um 23:00 MESZ
Wolkenverteilung über Mitteleuropa am 26.09.2011 um 23:00 MESZ

In der Nacht vom 27. auf den 28.09.2011 war der Norden Deutschlands wolkenfrei, wodurch der fotografische Nachweis der schwachen Polarlichter möglich wurde.
Wolkenverteilung über Mitteleuropa am 27.09.2011 um 23:00 MESZ
Wolkenverteilung über Mitteleuropa am 27.09.2011 um 23:00 MESZ

Beobachtungen der Polarlichter in Mitteleuropa

Von dem Polarlicht am Abend des 26.09.2011 liegen zahlreiche Beobachtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor, obwohl ausgerechnet über dem nördlichen Teil Deutschlands eine weitgehend geschlossene Wolkendecke lag.

Die uns bekannten Beobachtungen haben wir in einer ÜBERSICHTSTABELLE zusammengefasst, welche Sie sich in einem separaten Fenster anschauen können. Zusätzlich haben wir aus den Tabellendaten nachstehende Karte erstellt, welche die geografische Verteilung der Beobachtungen und die Helligkeit der beobachteten Polarlichter zeigt.

Geografische Verteilung und Helligkeit der Polarlichtbeobachtungen in Deutschland am 26.09.2011
Geografische Verteilung und Helligkeit der Polarlichtbeobachtungen in Deutschland am 26.09.2011.

Dieses Polarlicht war zeitweise recht hell; dort, wo einwandfreie Sichtverhältnisse herrschten, waren mit dem bloßen Auge Strukturen und Farben deutlich wahrnehmbar. Die Beobachtungen belegen klar 2 Haupt-Aktivitätsphasen zwischen 20:45 und 21:00 Uhr sowie zwischen 23:00 und 23:15 MESZ. Fotografisch war das Polarlicht allerdings auch im Zeitraum dazwischen nachweisbar. Der erste Nachweis erfolgte um 20:44 MESZ (Daniel Restemeier), der letzte um 23:45 MESZ (Jan Gensler). Ob das Polarlicht für einen Beobachter visuell oder nur fotografisch wahrnehmbar war, hing offenbar weniger von der geografischen Position als von den atmosphärischen Bedingungen (Dunst, Wolken, Lichtverschmutzung) ab. Zu beachten ist, dass in unserer Tabelle und in der Karte die Livebilder der Webcams in Katlenburg-Lindau und Juliusruh als fotografische Beobachtung gewertet wurden. Gleiches gilt für Beobachtungsberichte, aus denen nicht eindeutig hervorgeht, ob das Polarlicht visuell wahrnehmbar war.

An Strukturen wurden grüne und rote Flächen sowie weißliche und rote Beamer beobachtet. Da Strukturen und Farben, dort wo gute Sichtbedingungen herrschten, durchweg mit bloßem Auge problemlos erkannt werden konnten, wurde dieses Polarlicht in unserer Chronik in die Helligkeitskategorie "mittel" eingestuft. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass dieses Ereignis hinter den wirklich großen Polarlichtern der Jahre 2000, 2001, 2003 und 2005 zurückblieb.

Aufgrund des in abgemildeter Form noch anhaltenden geomagnetischen Sturms traten in der Nacht vom 27. auf den 28.09.11 gegen 23:50 MESZ und gegen 00:50 MESZ im Norden Deutschlands noch einmal schwache fotografische Polarlichter auf. Diese konnten lediglich durch die Webcam des IAP in Juliusruh sowie die private Webcam von Michael Green in Büdelsdorf nachgewiesen werden.

Geografische Verteilung und Helligkeit der Polarlichtbeobachtungen in Deutschland am 27./28.09.2011
Geografische Verteilung und Helligkeit der Polarlichtbeobachtungen in Deutschland am 27./28.09.2011.

Am Morgen des 29.09.2011 trat gegen 04:15 MESZ möglicherweise ein weiteres schwaches Polarlicht über Norddeutschland auf. Da die einzige visuelle Beobachtung nicht ganz gesichert erscheint und kein fotografischer Beleg existiert, wurde es in unserer Chronik nicht berücksichtigt.

Diskussionsthreads im AKM-Forum für Polarlichter
M1-Flare 21.09.2011 (Begonnen am 21.09.11, 14:18 MESZ; 7 Beiträge bis 21.09.11, 19:31 MESZ)
Was Grosses? (AR 11302 am Ostrand ab 21.09.2011) (Begonnen am 21.09.11, 21:27 MESZ; 102 Beiträge bis 27.09.11, 21:14 MESZ)
Animation vom X1.9 am 24.09.2011 gegen 11:40 MESZ (Begonnen am 26.09.11, 10:59 MESZ; 2 Beiträge bis 26.09.11, 15:17 MESZ)
CME Schock Impakt und PL-Sichtungen - 26.09.2011 (Begonnen am 26.09.11, 14:31 MESZ; 131 Beiträge bis 30.09.11, 19:09 MESZ)
Middle Latitude Auroral Activity WARNING, 26.09.11 (Begonnen am 26.09.11, 19:30 MESZ; 3 Beiträge bis 26.09.11, 20:48 MESZ)
Polarlichtsichtung bei Schwerin (Begonnen am 26.09.11, 20:56 MESZ; 15 Beiträge bis 27.09.11, 13:41 MESZ)
Beobachtungswetter 26.09.2011 (Begonnen am 26.09.11, 21:21 MESZ; 19 Beiträge bis 26.09.11, 23:49 MESZ)
Polarlicht NRW - super Display 23:15 Uhr (Begonnen am 26.09.11, 23:50 MESZ; 7 Beiträge bis 27.09.11, 12:58 MESZ)
Polarlicht am 26.09.2011 - Zusammenfassung (Begonnen am 27.09.11, 02:51 MESZ; 26 Beiträge bis 02.10.11, 22:08 MESZ)
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NASA: Sunspot 1302 Continues to Turn Toward Earth

Spaceweather.com: Northern Lights photo gallery September 2011

Universe Today: Massive Sunspot 1302

Universe Today: Active Sun, Beautiful Aurora: Reader Photos

Daniel Fischer: Bestes Polarlicht des laufenden Sonnenzyklus

Daniel Fischer: Best aurora of the cycle yet caused by impressive sunspot group

Fredrick Broms: Cloudy Night of the Northern Lights

Rainer Kaufhold: Aurora Borealis - real time lapse - Polarlicht in Deutschland - 26. September 2011 (Video auf Youtube)

MBK-Team: Aurora in Slovenia September 26, 2011

NASA: Seeing Red (Foto auf Flickr)

Jonas Piontek: Aurora über Mittelhessen am 26.09.2011

Rob Sparks: My First Aurora Pictures

Literaturangaben zum Polarlicht am 26.09.2011

Krause, Stefan (2011): Polarlichter über Mitteleuropa vom 26. - 28. September 2011. Sternzeit 1/2012, 37-40.

Rieth, Ulrich (2011): September Polarlicht in Mitteleuropa und kurze "Draconiden-Aurora". Meteoros 14 (8), 229-232.